Vergangenheit, Gegenwart & Zukünfte der Erinnerung – Podiumsdiskussion

Einladung öffnen (PDF)

Am Mittwoch, den 25. Oktober um 19 Uhr lädt der Verbund Gedenkstätten südlicher Oberrhein in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung (LpB), dem Colloqium Politicim und der Katholischen Akademie Freiburg zu einer Podiumsdiskussion ein. Die Veranstaltung findet in den Räumen der LpB in der Bertholdstraße 55 in Freiburg statt. Es sprechen und diskutieren zum Thema „Vergangenheit, Gegenwart und Zukünfte der Erinnerung“ Professor Aleida Assmann, Sybille Thelen und Professor Wolfram Wette. Die Moderation führen Dr. Wulf Rüskamp und Dr. Michael Wehner.

Der Umgang mit der Vergangenheit ist in Deutschland schwieriger als in den meisten anderen Staaten Europas. Nach langen politischen Kontroversen ist die Erinnerung an die Schrecken der NS-Zeit und an die Ermordung der europäischen Juden inzwischen jedoch zur konstitutiven Grundlage für das Selbstverständnis der Bundesrepublik geworden. Zugleich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine andere, eine neue Erinnerungskultur innerhalb der deutschen Nachkriegsdemokratie entwickelt. Sie ist sowohl in die großen Präsentationen des Bundes eingegangen, wie auch in die Arbeit der lokalen und regionalen Gedenkstätten. Doch wie kann Erinnerungskultur in der Medien- und Einwanderungsgesellschaft aussehen?

In der Diskussionsrunde werden u.a. Fragen aufgegriffen wie die Rolle von Politik in der Erinnerungsarbeit aussehen soll und wie Gedenkstätten mit dem demographischen Wandel umgehen.

Podiumsdiskussion mit Professor Aleida Assman (Konstanz), Sybille Thelen (LpB Stuttgart), Professor Wolfram Wette (Freiburg)
Eintritt frei!
Mittwoch, 25. Oktober 2017, 19 Uhr
Veranstaltungsort: Landeszentrale für politische Bildung Freiburg,
Bertoldstraße 55

Wir sind Juden aus Breslau – Überlebende Jugendliche und ihre Schicksale nach 1933

Kinodokumentarfilm von Karin Kaper und Dirk Szuszies

www.judenausbreslaufilm.de

Sondervorführung in Emmendingen im CineMaja am Mittwoch 15.11.17 um 19 Uhr

In Anwesenheit der Regisseurin Karin Kaper

In Zusammenarbeit mit dem Verein für jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen e.V.

Steinstr. 2/2, 79312 Emmendingen

Protagonisten: Esther Adler, Gerda Bikales, Anita Lasker-Wallfisch, Renate Lasker-Harpprecht, Walter Laqueur, Fritz Stern, Guenter Lewy, David Toren, Abraham Ascher, Wolfgang Nossen, Eli Heymann, Mordechai Rotenberg, Max Rosenberg, Pinchas Rosenberg sowie eine deutsch-polnische Jugendgruppe aus Bremen und Wrocław

Musik: Bente Kahan, Simon Wallfisch, Patrick Grant, Carlo Altomare

Projektkoordination: Maria Luft

Wissenschaftliche Beratung: Katharina Friedla

Produktion und Verleih: Karin Kaper Film

 

Ein Film von aktueller Brisanz, der ein eindringliches Zeichen setzt gegen stärker werdende nationalistische  und antisemitische Strömungen in Europa. Ein Film, der aufzeigt, wohin eine katastrophale Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen führt. Ein Film, der anhand der Lebensschicksale der Protagonisten auch die Gründung des Staates Israel mit den Erfahrungen des Holocaust in Verbindung setzt.

Sie waren jung, blickten erwartungsfroh in die Zukunft, fühlten sich in Breslau, der Stadt mit der damals in Deutschland drittgrößten jüdischen Gemeinde, beheimatet. Dann kam Hitler an die Macht. Ab diesem Zeitpunkt verbindet diese Heranwachsenden das gemeinsame Schicksal der Verfolgung durch Nazi-Deutschland als Juden: Manche mussten fliehen oder ins Exil gehen, einige überlebten das Konzentrationslager Auschwitz. Der Heimat endgültig beraubt, entkamen sie in alle rettenden Himmelsrichtungen und bauten sich in den USA, England, Frankreich, und auch in Deutschland ein neues Leben auf. Nicht wenige haben bei der Gründung und dem Aufbau Israels wesentlich mitgewirkt.

14 Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt des Films. Sie erinnern nicht nur an vergangene jüdische Lebenswelten in Breslau. Ihre späteren Erfahrungen veranschaulichen eindrücklich ein facettenreiches Generationenporträt. Einige von ihnen nehmen sogar den Weg in die frühere Heimat auf sich, reisen ins heutige Wrocław, wo sie einer deutsch-polnischen Jugendgruppe begegnen. Gerade in Zeiten des zunehmenden Antisemitismus schlägt der Film eine emotionale Brücke von der Vergangenheit in eine von uns allen verantwortlich zu gestaltende Zukunft.

Pressestimmen:

Peter von Becker, Tagesspiegel

Ein filmisches Denkmal, erschütternd und erhellend. Um das Aufeinandertreffen der letzten Zeugen mit den Mädchen und Jungen von heute ziehen die Filmemacher Kaper und Szuszies ihre behutsamen Kreise: von Breslau einst und jetzt, von Orten der Emigration mit Szenen auch aus Israel, den USA oder Frankreich, im Wechsel zwischen historischen und aktuellen Aufnahmen, Einzelinterviews, Dialogen mit den Jugendlichen und erstaunlichen Begegnungen.

Wilfried Hippen, TAZ

Mit der Veränderung des politischen Klimas in Polen hat der Antisemitismus dort neuen Auftrieb bekommen, und indem sie auch davon in ihrem Film erzählen, geben die Filmemacher ihm noch mehr Tiefe und Dringlichkeit.

Eva-Elisabeth Fischer, Süddeutsche Zeitung

Zeugnis gegen die Unverbesserlichen. Es wird alles gesagt. Geschont wird niemand. Und das ist gut so.

Björn Schneider, Spielfilm.de

„Wir sind Juden aus Breslau“ ist ein Kaleidoskop an ergreifenden, sprachlos machenden Einzel- und Familienschicksalen, die der Film klug, mitreißend und zu keiner Sekunde langatmig, miteinander verwebt.

Dorothee Tackmann, Programmkino.de

In vierzehn Lebensläufen entsteht eine Reise um die halbe Welt. Eine bewegende, perspektivenreiche Dokumentation. Dieses Zusammentreffen der Zeitzeugen ist einmalig. Der Film nimmt einen gefangen.

FBW: Prädikat Wertvoll      FSK: ab 12 Jahre         Länge: 108 Minuten

Produktion und Eigenverleih des Films wurden von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert.

Eröffnung der neuen Dauerausstellung im ehemaligen Ritualbad (Mikwe)

20 Jahre Jüdisches Museum Emmendingen (1997-2017)

„Quelle lebendigen Wassers“ – Mekor Majim Chajim

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Jüdischen Museums Emmendingen lädt der Träger des Museums, der Verein für jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen e.V., mit einem Tag der offenen Tür am Sonntag, den 12. November 2017, ab 14.00 Uhr die Öffentlichkeit dazu ein, die neue Dauerausstellung bei freiem Eintritt zu besuchen.

Am 13. April 1997 wurde das Jüdische Museum im restaurierten, denkmalgeschützten Ritualbad (Mikwe) eröffnet. Das kleine Fachwerkhaus entstand in den Jahren zwischen 1837 und 1843 in unmittelbarer Nähe des Mühlbachs und der Synagoge. Im Stockwerk oberhalb der Mikwe wohnte der Synagogenbedienstete mit seiner Familie.

Das Becken einer Mikwe speist sich mit natürlichem Wasser, in das religiöse Juden untertauchen. Neu erworbene Küchenutensilien können durch ein Untertauchen in lebendigem Wasser für den Gebrauch tauglich gemacht werden (koscher). Eine Mikwe dient somit der rituellen Reinigung und ist Grundlage religiösen Lebens im Judentum.

„Quelle lebendigen Wassers – Mekor Majim Chajim“ lautet das Motto der von Monika Rachel Raija Miklis M.A. kuratierten  Ausstellung im Untergeschoss des ehemaligen Ritualbads. Die Besucher finden zu Beginn Antworten auf die Frage „Was ist eine Mikwe?“ und “Wer benutzt die Mikwe?“ Eine Tafel skizziert anschaulich die Geschichte der Ritualbäder (hebr. Mikwaot) von der Antike bis heute. Aktuelle Beispiele von Mikwen neuer Synagogenbauten in Baden wie Lörrach (2008) und Rottweil (2017) sind zu sehen. Im Ritualbadraum wird die Geschichte der Emmendinger Mikwe erläutert, die Segenssprüche werden genannt und durch eine Audiostation hörbar gemacht.

Die Ausstellung ergänzt die bereits bestehende Ausstellung zur Geschichte der Israelitischen Gemeinde Emmendingen ab 1716 im Erdgeschoss des Museums, die ferner Exponate zum jüdischen Kultus- und Alltagsleben und Zeugnisse jüdischer Familiengeschichten aus Emmendingen zeigt. Im Obergeschoss steht den Besuchern ein Lese- und Medienraum mit Präsenzbibliothek zur Verfügung.

Das Museum begreift sich als  lebendiger Erinnerungs- , Begegnungs- und Lernort jüdischer Geschichte und aktuellen jüdischen Lebens. Auf diesem Selbstverständnis basiert auch die Konzeption der neuen Mikwen-Ausstellung. Moderne Ausstellungsmittel vermitteln den Besuchern, darunter viele junge Menschen, jüdische Kultur und religiöses Leben im Judentum. Pädagogische Materialien und spezielle Vermittlungsangebote werden die Ausstellung zukünftig ergänzen.

Der öffentliche Jubiläumsvortrag mit Rabbiner David Bollag (Jerusalem, Zürich, Luzern) findet einen Tag später, am Montag, den 13. November 2017, um 19.00 Uhr, im Teschemacher-Saal des Simon-Veit-Hauses am Schlossplatz statt. Der Vortrag widmet sich der religiösen Bedeutung von lebendigem Wasser: „Der Ewige ist (wie) eine Mikwe für das jüdische Volk… Die Quelle lebendigen Wassers ist der Ewige.“ (Jeremia 17,13). Der Eintritt zu diesem Vortrag ist frei.

 

Gefördert wurde die Ausstellung von der Stadt Emmendingen, der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg, der Jüdischen Gemeinde Emmendingen und Nachfahren jüdischer Familien aus Emmendingen.