Aktuelles im Jüdischem Museum Emmendingen

Herbarien – es riecht so gut! Räucherwerk, Hawdala und Rosa Luxemburg

Wechselausstellung bis 29. Oktober 2026

Inspiriert vom prachtvoll blühenden Museumsgarten und seinen betörenden Düften widmet sich das Jüdische Museum Emmendingen den Pflanzen und ihrer Bedeutung im Judentum.


Kräuter werden bereits in den jüdisch religiösen Schriften im Zusammenhang mit dem G’ttesdienst im Tempel in Jerusalem erwähnt: die Kohanim, die Priester, hatten die Aufgabe, jeden Abend und jeden Morgen das Räucherwerk (hebr. Ketoret) auf dem goldenen Altar vor dem Allerheiligsten im Tempel zu verbrennen. Diese Mischung aus elf Kräutern wird im jüdischen Gebetbuch (hebr. Siddur) genannt und ist noch heute Teil des täglichen Morgengebets. Balsampflanzen, Salbei und Wein wachsen auch im Museumgarten und können hier bewundert und beschnuppert werden. Zimt ist mit anderen Gewürzen in der künstlerisch verzierten Besomimschachtel von Richard Ernst zu finden, die Teil der zeremoniellen Verabschiedung des Schabbats beim Eingang in die neue Woche ist. Eins der elf Gewürze, das allerdings sehr herb und intensiv riecht, heißt Galbanum. Rabbiner Mosche Baumel hat unter demselben Namen 2020 eine Erklärung zur Covid 19 Pandemie verfasst, die die Brücke zur Gegenwart schlägt. Übrigens ist der Liebstöckel im Museumsgarten verwandt mit dem Galbanum.

Nach der Zerstörung des Heiligtums in Jerusalem durch die Römer ist es allerdings nach jüdischer Tradition verboten, das Räucherwerk nachzumachen. Wie bedeutend das Rauchopfer war, zeigt seine Darbringung durch den Hohepriester beim Betreten des Allerheiligsten am höchsten jüdischen Feiertag, dem Versöhnungstag (Jom Kippur).

Heute erinnern das Gebet und das Studium des Ketoret an den G’ttesdienst im Jerusalemer Tempel.

Bereits im Mittelalter bedienten sich jüdische Ärzte der heilenden Pflanzen aus der Natur. Sie übersetzten im 15. Jh. medizinische Werke aus dem Arabischen, die reich illuminiert waren, wie zum Beispiel der Kanon des Avicenna. Auch Herbarien mit Heilpflanzen mit lateinischen und hebräischer Beschriftung stammen aus dem 15. Jh. Faksimile zeigen Beispiele in der Ausstellung. Ein Kräutermörser zum Zerstoßen der Kräuter darf natürlich nicht fehlen.

Neben modernen Herbarien-Drucken aus Israel mit Wildpflanzen vom Strand und vom Carmel Gebirge aus dem 20. Jh., hebt die Ausstellung eine kaum bekannte Seite von Rosa Luxemburg (1871-1919) hervor: sie war eine leidenschaftliche Pflanzensammlerin und verfasste 18 Herbarien-Hefte in den Jahren 1913 bis 1918, kurz vor ihrer Ermordung am 15. Januar 1919. Die Originale sind seit 2009 im staatlichen Archiv Akt Nowych in Warschau. Die inzwischen vergriffene Faksimile-Ausgabe von 2016 schmückt die Ausstellung neben DDR-Briefmarken mit Abbildungen von Rosa Luxemburg (1959, 1971, 22.02.1990) aus der Briefmarkensammlung „Jews on stamps“ des Bibliothekars John Henry Richter (1919-1994), Mitglied der Society of Israel Philatelists. Diese Sammlung spiegelt seine eigene Biografie als jüdischer Emigrant, geboren in Wien wider, der 1941 aus Berlin vor den Nazis in die USA flüchtete.

Am Sonntag, den 19. Juli 2026 laden wir herzlich zu einem Begleitprogramm zur Wechselausstellung ein:

  • Ab 17:00 Uhr: Kuratorin Monika Rachel Raija Miklis M.A. führt durch die Wechselausstellung im Jüdischen Museum.
  • 17:30 Uhr: Pflanzenbestimmungsgang durch den Museumsgarten mit dem Gärtner und Künstler Richard Ernst.
  • 18:00 Uhr: Haptischer Vortrag zur Bedeutung von Pflanzen in der hebräischen Bibel.
    Ort: Teschemacher-Saal, Simon-Veit-Haus, Kirchstraße 11, D-79312 Emmendingen

Das Museum ist geöffnet von 14:00 bis 17:00 Uhr.

Eintritt frei, Spenden erbeten



Hawdala- Zeremonie nach Schabbat Ende:

Gekürzte Zeremonie bei Familie Rabin in Jerusalem 2024/5784
Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Emmendingen, Yaakov Yosef Yudkowsky, Purim 2024/5784 

Virtuelles Gedenkbuch

Wir vom Verein für jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen e.V. sind mit unserem virtuellen Gedenkbuch in neuer Version online gegangen!

Dokumentarfilm über die Gedenkstättenarbeit

Dokumentarfilm öffnen (Link führt zu YouTube)

Dokumentarfilm über die Gedenkstättenarbeit in Baden-Württemberg mit unserer Gedenkstätte „Jüdisches Museum Emmendingen“ ab Minute 12:25.

In diesem Film laden vier Beispiele exemplarisch für über 70 Orte zum Besuch ein: die KZ-Gedenkstätte Neckarelz, die Gedenkstätte Grafeneck, das Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg Ulm sowie das Jüdische Museum Emmendingen. Erstellt wurde die zwanzigminütige Dokumentation von Sibylle Tiedemann, Regisseurin und Produzentin aus Neu-Ulm/Berlin, die von der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen in Baden-Württemberg (LAGG) und der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg mit dem Projekt betraut wurde.

Jüdische Kinder im Lager Gurs

Wir möchten außerdem aufmerksam machen auf:

20 Jahre Jüdisches Museum Emmendingen – Eröffnung der Dauerausstellung „Quelle lebendigen Wassers“ – auf YouTube ansehen


Über das Museum:

Das Jüdische Museum Emmendingen befindet sich an einem authentischen Ort jüdischen Lebens. Das liebevoll restaurierte und denkmalgeschützte Gebäude mit Mikwe wurde um 1840 von der Israelitischen Gemeinde erbaut. Die Dauerausstellung “Quelle lebendigen Wassers – Mekor Majim Chajim“ im Keller rückt die Mikwe in den Mittelpunkt. Im Erdgeschoss wird die Geschichte jüdischen Lebens von 1716 bis 1940 dargestellt. Eine Medienstation dokumentiert das Schicksal der Emmendinger Jüdinnen und Juden während der NS-Diktatur. Zahlreiche Exponate erläutern das jüdische Kultus- und Alltagsleben, machen jüdische Feste im Jahreslauf erlebbar und erzählen lokale jüdische Familiengeschichten. Die 1995 wiedergegründete Jüdische Gemeinde wird vorgestellt, wechselnde Sonderausstellungen bereichern die Ausstellung.

Das Museum versteht sich als Ort des Erinnerns, als Lern- und Bildungsort, der zur Begegnung mit jüdischem Leben in heutiger Zeit einlädt, Kulturveranstaltungen ergänzen die Erinnerungs- und Bildungsarbeit.

In einem neuem Projekt hat es sich ein Team aus Ehrenamtlichen zur Aufgabe gemacht, die Schicksale der Jüdinnen und Juden zu recherchieren, die in Emmendingen geboren wurden und/oder nach der »Machtergreifung« der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 in Emmendingen gelebt haben. Die Ergebnisse werden auf einer eigenen Website veröffentlicht.