Archiviert: Von Mazzenknödel bis Käsekuchen

WECHSELAUSSTELLUNG:

bis 31. Mai 2026

Die Wechselausstellung hebt den kulinarischen Aspekt hervor und ermöglicht ganz persönliche Einblicke: mit Hilfe eines altes Kochbuchs für die einfache und feine jüdische Küche von Marie Elsasser, voll mit Zetteln, handschriftlich ergänzten Rezepten und Listen zur Essensplanung.

Wie sah die Vorbereitung auf das Pessach-Fest in einer jüdischen Küche in Deutschland vor 100 Jahren aus? Was stand in der Woche ohne Gesäuertes in einem jüdischen Haus auf der Speiseliste?

An Pessach bestimmen Mazzen, ungesäuerte, flache Brote aus Mehl und Wasser, die Speisekarte: Mazzenknödelsuppe, Mazzenbrei, Schoko-Mazzen. Sie erinnern an den schnellen Auszug des jüdischen Volkes aus Ägypten vor über 3300 Jahren. Sie werden sowohl das Brot der Armut als auch das Brot der Freiheit genannt. Sieben, außerhalb von Israel acht Tage, feiern Juden und Jüdinnen auf der ganzen Welt die gttliche Rettung aus der Sklaverei unter den Ägyptern.

Was verbindet aber nun die Mazzenknödel mit dem Käsekuchen?

Sieben Wochen nach Pessach wird Schawuot, Hebräisch für „Wochen“, gefeiert. Es ist das Fest der Toragebung. Mitten in der Wüste, während der Wanderung in das gelobte Land, erhält das jüdische Volk am Berg Sinai die lebensbestimmende Lehre, die Tora, mit all ihren gttlichen Gesetzen und Weisungen.

Die Zeit zwischen diesen beiden Wanderfesten zum Tempel in Jerusalem ist traditionell eine traurige Zeit, in der viel Schlimmes in der jüdischen Geschichte geschehen ist. Erinnerung an Seuchen, Verfolgungen, Terroranschläge und Kriege bestimmen die 49 Tage, das sind sieben Wochen, bis zum Wochenfest. Diese Periode wird „Omer-Zeit“ genannt, in der religiöse Trauerregeln gelten: keine Partys, kein Shopping, keine Frisörbesuche.

Für diese Zeit gibt es spezielle Omer-Kalender oder Omer-Zähler. So ein Zähler aus dem 20. Jh. ist das Exponat des Monats Mai. An Schawuot, dem 50. Tag, wird dann wieder gefeiert und geschlemmt:

Traditionell werden Milchspeisen gegessen, die an die Speisegesetze erinnern und an die Tora selber, die im Hohelied 4,11 mit Milch und Honig verglichen wird. Sie erinnern ebenso an das Ziel der Wüstenwanderung: das Land Israel, in dem Milch und Honig fließt und Jerusalem, die Stadt des Friedens, in der alle zusammenkommen (Psalm 122).

So stehen in diesem Jahr am Abend des 21. Mai sowie an den Tagen des 22. und 23. Mai Käsekuchen, Pudding und gefüllte Pfannkuchen (Blintzes) auf dem Festtagstisch.
Ein kulinarischer Genuss für Groß und Klein.

Die Wechselausstellung kann bis zum 31. Mai 2026 im Rahmen der allgemeinen Öffnungszeiten am Sonntag und Mittwoch, sowie am Internationalen Museumstag, 17. Mai 2026, mit Führung bei freiem Eintritt, besucht werden.